Gustav Matt moniert nochmals, dass die Regierung die Schweiz ersuchen solle, den konsularischen Schutz der Liechtensteiner im Ausland zu übernehmen


Eingsandt, gez. G.M. (Gustav Matt) [1] 

23.3.1918

Unsere Interessen-Vertretung im Auslande

Im Nr. 6 der „O.N.“ vom 9. Febr. a. c. haben wir darauf hingewiesen, dass sich unsere werten Landsleute im Auslande ohne jeden Schutz und Hilfe befinden und wünschten zu erfahren, welche Schritte von Seiten unserer Regierung unternommen wurden, um darin Wandel zu schaffen. Leider ist aber bis heute eine Stimme hierüber noch nicht verlautet worden. Wir geben zwar der Hoffnung immer noch Raum, dass unsere werten Landsleute doch nicht ganz dem Schicksal überlassen werden, möchten aber nochmals dringend ersuchen, gefl. bekannt geben zu wollen, was eigentlich zugunsten unserer Kompatrioten getan wurde. Wir sind jetzt lange genug stillschweigend zur Sache gestanden und können nicht mehr länger zusehen und alles auf die lange Bank ziehen lassen. Es ist doch gewiss nicht mehr als recht und billig, dass sich unsere Regierung hiefür annimmt und können wir kaum glauben, dass unser Nachbarstaat, die Schweiz, schon bei Kriegsbeginn dafür nicht angegangen wurde, unsere Interessen im Auslande zu vertreten. – Vorzugsweise haben sich viel der umliegenden Staaten an die Schweiz um Übernahme ihrer Interessen im Auslande gewendet, da es nur zu gut bekannt ist, dass die Schweiz im Auslande Vertreter hat, wie kaum ein zweiter Staat und die ihre Pflichten in nur idealer und erfolgreicher Weise erfüllen.

Wie man sich vielleicht vorstellt, fassen wir z. B. nur die Scharen der Amerikareisenden ins Auge, die alljährlich von uns Abschied nehmen und nur in seltenen Fällen zurückkehren. Haben wir die Gewissheit, dass sie als neutrale Liechtensteiner behandelt werden? Bekanntlich bietet unser Land so wenig in Handel, Industrie und Gewerbe, dass alle diese Leute darauf angewiesen sind, ihr Brot in der Fremde zu verdienen; es liegt uns somit auch die Pflicht auf, für ihren Schutz zu sorgen und ihnen behilflich zu sein, wo wir nur können.

G. M.

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[1] O.N. 23.3.1918, Nr. 8. Vorausgegangen war ein Eingesandt vom 9.2.1918 mit ähnlichem Inhalt, auf das die Regierung nicht reagiert hatte.